Die elfte Plage

Wie Berlin Touristen die Stadt zum Erlebnispark machen


Ein  Gespräch zwischen dem Autor Peter Laudenbach, dem HAU Kuratoren Christoph Gurk und dem Publikum.

Lesung, Judith van der Werff


Das Buch “Die elfte Plage” von Peter Laudenbach beschreibt, wie Berlin-Touristen, Hipster (“Schnösel 2.0”), Club-Ballermann-Absturztouristen und anderen Zielgruppen, die Stadt zum Erlebnispark machen. Wie Kunst zur touristischen Vermarktung der Stadt das ihre beiträgt  (“Subkultur als weicher Standortfaktor”), wie das Mahnmahl für die ermordeten Juden als touristische Sehenswürdigkeit für gute Laune bei den zahlenden Gästen sorgt und wie die Touristfication Teile der Stadt unbewohnbar macht, ist dem Autor eine gutgelaunte Polemik wert. Im statistischen Durchschnitt halten sich jeden Tag 500.000 Berlin-Touristen in der Stadt auf – auf jeden Siebten der 3,5 Millionen Berliner kommt ein Tourist. Jeden Monat kommen 340 zusätzliche Hotelbetten zum vorhandenen Angebot hinzu. Der Tourismus ist die in Berlin am schnellsten wachsende Branche. Am liebsten gehen Berlin-Touristen laut Marktforschung übrigens nicht in die Oper oder ins KADEWE. Sie setzen sich in die Cafes, um das exotische Treiben der Eingeborenen zu beobachten: Die Stadt als Zoo. Vielleicht sollten die Tourismuswerber darüber nachdenken, Kleindarstellern ein Honorar dafür zu bezahlen, dass sie als pittoreske Punks das Stadtbild bunter machen.


Die Elfte Plage ist in der [ EDITION TIAMAT ] erschienen


Pressestimmen:

“Famose Streitschrift”  - Neues Deutschland

“Laudenbach geht phänomenologisch vor, ihn interessiert, was passiert, wenn `die Stadt zur Kulisse der Erlebnisindustrie` wird.  - Der Freitag

»Laudenbach hat in einem spöttischen Essay die Verwandlung der Stadt in ein touristisches Eventangebot und kommerzielles Freilufttheater untersucht. Diese Szenen aus dem zeitgenössische Berlin lassen sich als Belegstücke zu Guy Debords Beobachtung lesen, in modernen Gesellschaften erscheine das ganze Leben als eine ungeheure Sammlung vom Spektakeln«  - Süddeutsche Zeitung

»Hier kann man lesen, dass es sich beim Berlin-Tourismus vor allem um schlechtes Theater handelt.«  - Franz Wille, Theater heute

"Theaterkritiker Laudenbach versucht in seinem gelungen polemischen Buch 'Die elfte Plage' eine Ethnografie.« - Andreas Becker, Deutschlandfunk



Peter Laudenbach schreibt als Journalist über  Kultur und Wirtschaft und darüber, was das eine mit dem anderen zu tun hat. Er ist Berliner Theaterkritiker der Süddeutschen Zeitung, regelmäßiger Autor des Wirtschaftsmagazins brand eins und Theaterredakteur des tip.

 

Christoph Gurk, geboren 1962 in Ratingen, hat Deutsche Philologie, Literaturwissenschaften und Philosophie an der Universität Hamburg studiert. In den 90er Jahren leitete er erst das Musikressort der Veranstaltungszeitschrift "Szene Hamburg" und dann die Redaktion von "Spex - Das Magazin für Popkultur" in Köln. Von 2001 bis 2009 war er Projektdramaturg an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz und verantwortete in dieser Zeit auch das Musikprogramm. In den Jahren 2010 und 2011 war er der Musikkurator der Ruhrtriennale.  Seit 2012 ist er hauptberuflich als Kurator und Dramaturg für das HAU Hebbel am Ufer tätig. Nebenbei schreibt er für Publikationen wie "Spex", "Texte zur Kunst",  "Cargo" oder "Berliner Zeitung" über Musik, Bildende Kunst und Kulturtheorie.


Judith van der Werff, erhielt ihre Ausbildung zur Schauspielerin an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“, Berlin. Theaterengagements führten sie unter anderem ans Deutsche Theater Berlin, Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin, Wiener Festwochen, Städtische Bühnen Frankfurt, Schauspiel Essen, Schauspielhaus Bochum, Staatstheater Kassel. Prägend waren die Begegnungen mit den Regisseuren: Ulrich Thein, Thomas Langhoff, David Levin, Peter Dehler, Ingo Waszerka, Jerôme Savary, Maik Priebe, Peter Greenaway, Paulus Manker, Anselm Weber, David Bösch, Roger Vontobel und Sebastian Nübling. Sie drehte mehrere Kinofilme mit Constanze Ruhm und zuletzt stand sie in Amsterdam für einen Fernseh-Zweiteiler vor der Kamera. Mit den Vierte Welt Kollaborationen Berlin verbindet sie eine mehrjährige Zusammenarbeit.


August: So. 25.8 2013