Politik der Lyrik



POLITIK DER LYRIK #3

Hallo Präsident #3


Queen Mab / King Mob: Die Große Stille ist angefüllt mit Lärm


Sean Bonney and Catherine Hales

Moderated by Joel Scott


Am 10. Juli 1790 stürmten Aufrührer das Newgate-Gefängnis in London, ließen die Gefangenen frei, brannten das Gebäude nieder, und hinterließen auf den Trümmern eine einfache Graffiti-Botschaft: “Seine Majestät König Mob”. 23 Jahre später schrieb Shelley sein erstes Schlüsselwerk, das Gedicht “Queen Mab”. Mab war, für Shelley, der Geist der Revolution: in der Folklore war sie eine winzige Fee, die im Schlaf erschien; War man würdig, erfüllte sie einem Träume, war man es nicht, infizierte sie einen mit der Pest.


Die Veranstaltung – zugleich Vortrag und Lyriklesung – verwendet den zufälligen Halbreim zwischen diesen beiden Figuren, Mab und Mob, als Ausgangspunkt einer Diskussion der Störungszonen zwischen poetischer Fantasie und revolutionärem Flächenbrand: das Gespenst der Romantik, das die behaglichen Dogmen des lyrischen Modernismus heimsucht; Halluzination und Traum als Antimaterie der Konsumgesellschaft; lyrische Dreistigkeit als gnadenlose Kritik alles Existierenden.


Catherine Hales wird auf die von Sean Bonney vorgetragenen Positionen eingehen, um eine offene Diskussion zu ermöglichen. Die Diskussion wird von Joel Scott moderiert.


Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt.




Friday October 3nd

Samstag, 1.März 2014 | 20:00

POLITIK DER LYRIK #1

REAL BLEIBEN, REAL WERDEN


„Ein politischer Mensch mit klaren Überzeugungen und Positionen kann, wenn er oder sie ästhetisch hochwertige Gedichte produziert, mit diesen letztlich nicht unpolitisch sein“. Befindet Enno Stahl, Literaturwissenschaftler und Autor (zuletzt: Diskurspogo. Über Literatur und Gesellschaft, Verbrecher Verlag 2013). Aber welche Überzeugung? Und wo geht’s von ihr zum ästhetischen Wert? Auf welche Weise bleibt es nicht beim Wollen? Wo steht die politische Lyrik? Heißt politisch eigentlich links? Und wer liest das überhaupt?


Entschieden fragend und voranschreitend wagt sich die Diskussion zur Politik der Lyrik nach einem ersten Gang durchs Internet [ www.babelsprech.org/category/politik-lyrik ] zum ersten Mal auf die Bühne. Enno Stahl diskutiert mit der Redaktion der Hamburger Literaturzeitschrift randnummer, Simone Kornappel und Philipp Günzel, vertreten durch letzteren und moderiert von Linus Westheuser. Allen Anwesenden liegt eine Politisierung der Literatur am Herzen, über das Wie soll aber herzlich gestritten werden: Während Stahl in der Vergangenheit die Fahne eines reformierten Sozialrealismus hochhielt, setzte die randnummer eher auf experimentelle Verfahren, durchaus mit Draht zur Avantgarde. Ob Lyrik kommunizieren kann, darf oder muss wird also Thema sein und wer oder was am Gedicht real ist. Passend zur Vierten Welt und wie sie über dem spuckenden, summenden Kotti hängt, werden wir uns dabei unweigerlich auch der Stadt annehmen und welchen Platz sie in den Gedichten findet.




Mit dabei:


Philipp Günzel, geb. 1980 in Hamburg, ist Lyriker und mit Simone Kornappel Herausgeber der randnummer Literaturhefte, 2011 war er Preisträger des lauter niemand-Preises für politische Lyrik und Finalist beim Open Mike, zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitschriften.


Simone Kornappel, geb. 1978 in Bonn, ist Lyrikerin, Übersetzerin, Illustratorin und Mitherausgeberin der randnummer. 2014 erscheint ihr Debütband raumanzug bei luxbooks.


Enno Stahl, geb. 1962 in Duisburg, ist Romanautor und Literaturwissenschaftler am Heinrich-Heine-Institut. Mit Swantje Lichtenstein leitet er den Literaturclub Düsseldorf. „Das terroristische Potenzial des Rheinländers ist lange Zeit unterschätzt worden“, so die taz, womit allerdings – siehe Geburtsort – der Held aus seinem Roman 2Pac Amaru Hector (Verbrecher Verlag 2004) gemeint ist.


Linus Westheuser, geb 1989 in Berlin, ist Lyriker und Mitglied des Kollektivs G13. Seit Oktober 2013 betreibt er mit Charlotte Warsen und Joel Scott den Blog Hallo Präsident – Für eine Politik der Lyrik auf der Seite des Babelsprech-Projekts der Berliner Literaturwerkstatt.