Research Showing | Film | Helena Botto

MONSTERATOR

Abschlussveranstaltung der Residenz in der Vierten Welt von Helena Botto


Di. 18.04 | 20:00 | Eintritt frei

MONSTRATOR – Eine Auseinandersetzung mit dem Freakshow-Apparatus


„Die Menschheit braucht Monster, um menschlich zu werden“ – José Gil


Das Projekt MONSTRATOR ist eine performative Auseinandersetzung mit der Thematik der Monstrosität. Monster begleiten die Menschheit seit jeher. Sie stehen für ‚das Andere’, das Unbeschreibbare, das Nicht-Klassifizierbare. Weil sie Gefühle der Angst evozieren und gleichzeitig anziehend wirken, haftet ihnen eine morbide Faszination an. In frühen Berichten westlicher Entdeckungsreisen wurden fremde Kulturen immer wieder als monströs kategorisiert, so dass es Menschen waren – und noch immer sind –, die andere Menschen zu Monstern deklarierten. MONSTRATOR will eine kritische Perspektive auf diesen Mechanismus eröffnen, für den sich ein Beispiel in den Monstern des Kolonialismus findet. Dabei ist gar nicht so klar, wer oder was die Monster eigentlich sind. Die westliche Gesellschaft fand diese in anderen Kulturen, in Form von „Exoten“, während aus Sicht der ausgebeuteten Kulturen die weißen Kolonialherren als Monster über sie herfielen. MONSTRATOR interessiert sich für die Umkehrbarkeit von Normalität und Monstrosität. Über die Völkerschauen und Freakshows des späten 19. Jahrhunderts wurden Menschen anderer Kulturen zu Monstern exotifiziert. Im damaligen Trend zum Exotismus und Orientalismus erfuhr so zum Beispiel auch die im Jahr 1896 veranstaltete Colonial-Ausstellung im Berliner Treptower Park große Popularität.

Die Ausgrenzung des Anderen ist im heutigen politischen und sozialen Kontext im Umgang mit rechtspopulistischen Diskursen wieder von hoher Aktualität/Brisanz. Auf Angst und Hass schürenden Behauptungen basierend, werden alte Monster neu heraufbeschworen.


Monster verkörpern Charakteristiken unterschiedlicher Welten und multipler Identitäten und können deshalb einen Exzess an Präsenz ausstrahlen. Die Thematik des Monströsen ist eng verbunden mit dem Ungewissen/ Fremden und dem Unheimlichen und kann somit sowohl als Reflektion als auch angsteinflößende Provokation gesehen werden. Monster, als das Andere, erscheinen oftmals als Abweichung von kulturellen und sozialen Normen. In dieser scheinbaren Verzerrung bedrohen sie unsere Identität und erschüttern unsere vermeintlichen Gewissheiten. Sie offenbaren ein verzerrtes Spiegelbild unserer Selbst, das eine Anziehungskraft und Bedrohung auf uns ausübt: Ich könnte mein eigenes Spiegelbild in dem Anderen sehen, ich könnte sogar der Andere sein. Das Monströse erbringt in diesem Sinne eine Befreiung, eine Freiheit: indem sie auf der anderen Seite der Norm sind, können Monster sinngemäß für eine Überschreitung stehen.


MONSTRATOR ist ein Begriff, der die Verschmelzung von Monster und Showman beschreiben soll, um schließlich auch mit dem Publikum zu fusionieren. Er ist ein Versuch, den theatralen Apparatus der Freakshow als einen Mechanismus aufzudecken, der auf Spaltung und binären Universen beruht.

Wie sehr ist der Andere außerhalb meiner Selbst? Bin ich auch Teil des Anderen?

Wie viel Andersartigkeit ist in mir?



Juni 2017     Lecture Performance MONSTRATOR am Mala Voadora, Porto mit                                         Unterstützung des Goethe Instituts Porto


3.+4. August 2017

                    Berlin Premiere im Rahmen des Ausufern Festivals, Uferstudios

     


10. + 11. November 2017

                    Premiere MONSTRATOR am Unterwegs Theater, Heidelberg in Koproduktion                               dem Choregraphischen Zentrum Heidelberg / TANZallianz


Nov/ Dez 2017          

                    MA SoDA Festival (Alumni Festival) zum 10jährigen Jubiläum des                                         Zentrums Tanz (HZT)Helena Botto (PT/DE) – Choreographin / Performerin


Helena Botto ist eine portugiesische Performerin und Choreografin mit Sitz in Berlin. Ihr Hintergrund // Ausbildung ist in physisches Theater: auf der Methodologie physischer Handlungen (Kunst als Vehikel, Grotowski). Von 1996 bis 2005 arbeitete sie im im der Theaterkompanie Acto. (Portugal) durchgeführt wird. In diesem Rahmen auf Tour in Portugal, Frankreich, Italien, Norwegen, Österreich, Kap Verde, Mosambik, A.O. Komplementäre sie sudy auch mit Meredith Monk, Miranda Fatima, Andre Riot Sarcey, A.O. Im Jahr 2006 begann sie eine unabhängige Künstler und Forscher arbeiten, üben ihre eigene Leistung entwickeln und seitdem hatte sie gewesen Leitung und mehr als ein Dutzend stageworks durchführen. Sie erhielt ihren M. A. in Solo / Dance / Authorship (mit Auszeichnung) von der Hochschulüber Zentrum Tanz (HZT), Universität der Künste Berlin. Ihre jüngsten Arbeiten wurden in Berlin (Uferstudios und Hau 2-100 °) Zeigte, Portugal und Sofia (Antistatic Festival).

Sie war Auszeichnung mit dem "Young Directors Stipendium" von der Stiftung Calouste Gulbenkian, Portugal (2008) der Tanzstipedium des Berliner Senats (2015), der TANZallianz Stipendiums am Choreographisches Centrum Heidelberg (2016) und Goethe Institut Porto (2017). Als Performer arbeitete sie mit Jose Filipe Pereira, Iva Sveshtarova und vor kurzem mit dem bildenden Künstler Christian Falsnaes. Sie führte Workshops in Portugal, Sofia und Belgrad (unterstützt von Instituto Camões) und unterrichtet derzeit Bewegung und Komposition an der Filmschauspielschule in Berlin.


Mehr Informationen: http://helenabotto.weebly.com



Marc Philipp Gabriel (DE) - Performer

Marc Philipp Gabriel arbeitet mit Gesang, Installation, Video und Architektur aus der Perspektive von Tanz und Choreographie. Sein Solostück AJIMA für Maija Karhunen, dass im Jahr 2013 in den Uferstudios Berlin premierte, wurde seitdem nach Zypern (mit Unterstützung vom Goethe Institut), Norwegen und Schottland eingeladen. Als  Performer arbeitete Marc für Tino Sehgal, Lea  Moro, Helena Botto,  Matteo Graziano, Shannon Cooney und schuf eine Reihe von Performances in Kollaboration mit Kieron Jina, Burkhard Lörner, Katharina Greimel und anderen. Zusammen mit BlingBlingRecycling inizierte er den Performance-Abend Monday FEAST mit bisher  mehr als 30 Ausgaben an verschiedenen Orten  in Berlin. Er erhielt  das danceWEB Stipendium 2013 beim ImPulstanz Festival Wien, eine Life-Long-Burning Residenz am Cullberg Ballett Stockholm (2016), schloss im Jahr 2015 den Bachelor „Tanz, Kontext, Choreographie“ am HZT Berlin ab und wird derzeit vom Internationalen Kooperationsfond des Goethe Instituts unterstützt (2016/17).


Mehr Informationen:

http://www.marcphilippgabriel.com/



Charles Matuschewski (DE) - Musiker/ Komponist / Produzent

ist deutscher Pianist, Produzent, Sound-Designer, Trompeter und Schauspieler, und wohnt in seiner Heimatstadt Berlin.

Als Musiker/ Komponist und Schauspieler arbeitet er seit 2015 für die  Berliner Theater Company  „ Grotest Maru „ in Ägypten (Backstreet Festival 2017 ), Portugal oder Polen.

Als Produzent arbeitete er z.B. mit Seeed, Beatsteaks, Boundzound, Transporterraum (2007 Platin Schallplatte für den Song Slowlife), und zwischen 2011 und 2014 als Radioproduzent ( alternativer deutscher Medienpreis für beste Hörspielproduktion ).

Als musikalischer Leiter sammelte er Erfahrungen z.B. für die Band „ Boundzound“ (Eins LIVE Krone, bester Newcomer) und arbeitete als Arrangeur u.a. für das Sinfonie-Orchester Berlin.

Als Sound Designer arbeitete er u.a. für Simon Sterling (Noack Installation / Neugeriemschneider Berlin, Biennale Venedig 2010) oder auch für Koo Young Aen  (Wobbling tree / Biennale Venedig 2009).

2016 absolvierte er erfolgreich den Piano Workshop unter der Leitung von Dr. Barry Harris in Rom.

Seine Arbeiten umfassen eine große stilistische Bandbreite und sind  genauso geprägt von seiner Lust am Unbekanntem, wie von seinen Wurzeln als Pianist und Trompeter, und den Entwicklungen der modernen elektronischen Musik.



Philipp Weinrich (DE) – videographer

Philipp Weinrich (geb. 1981 in Chemnitz) studierte Film & Animation an der SAE Leipzig / Berlin und ist freiberuflicher Produzent im Film- und Medienbereich als auch Fotograf. Im Verlauf seines Werdegangs arbeitete unter anderem mit Jim Jarmusch (Only Lovers Left Alive) und Ari Folman (The Congress), sowie für verschiedene Bühnen- und Performanceproduktionen von beispielsweise Ania Aristarkhova, Kimberly Kaviar sowie Breakfast Club Collective.


Mehr Informationen: http://philippweinrich.com/



Susanne Foellmer (DE) - wissenschaftliche Beraterin

Susanne ist Reader of Dance an der Coventry University (UK). Forschungsschwerpunkte liegen in den Feldern von Körpertheorien – u.a. dem Grotesken – in zeitgenössischem Tanz und Performance sowie in Tanz und Schauspiel der Weimarer Zeit. Publikationen u.a.: „Valeska Gert. Fragmente einer Avantgardistin in Tanz und Schauspiel der 1920er Jahre“ (2006), „Am Rand der Körper. Inventuren des Unabgeschlossenen im zeitgenössischen Tanz“ (2009). Seit Frühjahr 2014 leitet sie das DFG-Forschungsprojekt „ÜberReste. Strategien des Bleibens in den darstellenden Künsten“. Sie arbeitet außerdem als Dramaturgin, bislang u.a. für Tanzcompagnie Rubato, Jeremy Wade und Isabelle Schad und wirkte kulturpolitisch im Kontext des ztb (Zeitgenössischer Tanz Berlin).


Mehr Informationen:

http://www.coventry.ac.uk/research/research-directories/researchers/dr-susanne-foellmer/



Susanne Mayer (DE) – Dramaturgin

Susanne studierte am Laban Conservatoire of Music and Dance in London im BA „Theatre Dance“ und schließt derzeit ihren Master in Tanzwissenschaft an der FU Berlin ab. Sie arbeitete als Tänzerin im In- und Ausland, beispielsweise mit Romeo Castellucci, Efrosini Protpapa und der Yet Company. Neben eigener künstlerischer Arbeiten, wie ihrem Soloprojekt „Going to...“ (2011), co-choreographierte sie u.a. auch ein abendfüllendes Bühnenstück mit Jugendlichen. Ihr Interesse theoretische Erkenntnisse wie ihre Untersuchungen zur Thematik der Groteske mit dem praktischen Arbeiten zu verknüpfen führte sie zum dramaturgischen Arbeiten.



Gretchen Blegen (DE) – licht designering

is a light designer and a visual artist.  As a long time supporter of books in their peculiar form and function, she works with words, collage and drawing.  In the performance world, she looks at light as both an object and an element of dramaturgy.  She has and continues to work with the following spaces inside, yet often transmitting outside of Berlin:  ausland (territory for experimental music and art), die Vierte Welt theater, SissiFM Radio, 3AM, Lucky Trimmer dance & performance series, Martin Hansen, Ruth Waldeyer, Asaf Aharonson, Marc Phillipp Gabriel, Plants and Empire, amongst others.   General interests include bird calls and prolific aversion to reality.



Julia Danila (DE) – Produzentin

Arbeitet als Tanzproduzentin, Kulturmanagerin und Kuratorin in Berlin. Im zeitgenössischen Tanz verankert arbeitet sie mit Berliner und internationalen Künstlern gleichermaßen zusammen. Darunter zählen Jess Curtis/ Gravity, Bara Kolenc, Daniel Kok, Porson’s Khashoggi, Sheena McGrandles, Christine Borch. Im Herbst 2014 kam sie mit einem Stipendium vom Goethe Institut nach China und arbeitet seitdem mit dem chinesischen Produzent Zhang Yuan (Paper Tiger Theatre Studio) an Modelle des Künstler- und Wissensaustausches zwischen Deutschland und China.

Im Mai 2016 war sie mit der Produktion Metamorphosis 3°: Retorika zum Theatertreffen eingeladen und gewann mit den Künstlern Bara Kolenc und Atej Tutta den Zuschauerpreis für eine Koproduktion mit dem Schauspiel Dortmund.

Als Stipendiatin der Robert Bosch Stiftung war sie an der Tanzkammer Plesna Izba Maribor tätig. Projekte, die sie als Kuratorin und Produzentin initiierte, sind das Tanz- und Theorie Forum Der zaudernde Körper (2012) in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Hygiene-Museum Dresden und eine Tanzfilmreihe Osvetljeni/ Illuminated (2012) in Zusammenarbeit mit dem Kino Udarnik und der zeitgenössischen Kunstgalerie Umetnostna Galerija Maribor. In Slowenien produzierte sie außerdem die Choreografinnen Mala Kline, Bara Kolenc, Jasmina Krizaj und Anja Bornsek. Zuvor war sie als Journalistin für die Zeitschrift Tanz und das Online-Kulturmagazin Cafebabel tätig, wo sie Portraits und Sonderbeiträge veröffentlichte. 2009 folgte sie der Einladung einer Hospitanz bei Sasha Waltz & Guests für das Projekt Dialoge 09 im Neuen Museum. Sie studierte Europäische Kulturen an der University College London und Tanzwissenschaften an der FU Berlin.