Was ist die Vierte Welt ?


Was ist die Vierte Welt für Euch? Auf diese Frage haben wir von Kollegen/innen, Freunden/innen und Mitstreitern/innen im Januar 2014 die folgenden Antworten erhalten:


Die Vierte Welt ist ein Tisch, ein Ort, an dem aus vielen kostbaren, mal zu scharfen, mal zu wohlriechenden Gedankensplittern zäh, zupackend und zukunftsgeil ein Tisch wie durch Zufall und doch von langer Hand geplant wächst, ein Tisch, an dem unwahrscheinliche Menschen wie Du und ich endlich Platz finden können in unvordenklichen Konstellationen.

Prof. Dr. Ludger Schwarte, Kunstakademie Düsseldorf, Professur für Philosophie


Die Vierte Welt ist ein Platz wo politischer Austausch und theatrale Kunst Platz finden und aufeinandertreffen. Künstler verschiedener Professionen (Theater, Lichttechnik, Videokünstler, Bühnenbildner etc.) finden zusammen formen eine kreative heterogene Kollaboration. Der Austausch ist sehr stark. Sie arbeiten nicht kommerziell orientiert, daher inhaltlich unabhängig. Es ist wichtig solch einen Raum zu haben, der politische, soziale und philosophische Themen öffnet und sie künstlerisch zugänglich macht.

Lea Nagano, Motiondesign/ Videokünstlerin


Die Vierte Welt ist für mich ein Ort, an dem Dialoge quer allen Disziplinen entstehen, wo Kollaborationen wachsen. Es ist für mich ein Ort des gelebten gesellschaftskritischen Denkens. Und aus Denken entsteht bekanntlich Handeln. :)

Melanie Katz, Regisseurin


Die Vierte Welt ist ein Ort für darstellende Kunst, der Raum bietet für wirklich entwickelnde künstlerische Experimente, der nicht zielorientiert, sondern als einer der letzten noch mit einem prozessorientierten Profil arbeitet. Ohne diesen Ort hätten wir unsere Performance-Reihe nicht in einem Berliner Theater zeigen können.  

Henning Bochert, Musiker, Schauspieler, Autor


Wenn es für mich einen Begriff von Heimat gibt dann nur einen inhaltlichen. Und die Vierte Welt ist künstlerische und diskursive Heimat. Ein Ort an dem ich mit Gleichgesinnten neue Formen und Regeln, neues Denken und Handeln erkunden und ausprobieren kann. Es gibt für mich im Moment in Berlin keine andere Spielstätte, die so radikal das Neue will. Im Kulturbetrieb wie im Miteinander der gesellschaftlichen Realität. Ein Heterotoper Raum wie er eigentlich mal gedacht war. Eine Oase im allgegenwärtigen Leistungszusammenhang. Von der Leitung bis zu jedem Einzelnen der seinen Beitrag leistet ihn am Leben zu erhalten. Auf Augenhöhe und voller Möglichkeiten.

Marcus Reinhardt, Performer


Vierte Welt kann mit den kleinen und kreuzbergzentrierten Räumen große Formatspiele entwerfen: ein Festival für imaginäre Werke, eine Hörspielausstellung, Urbane Walks, eine Installation behausen, künstliche Bewohnung, echte und intime Begegnungen. Weiterhin: philosophische Gespräche und diskursive Abläufe, die sonst in Berlin im Moment keinen Platz und kein Haus haben.

Cecilie Ullerup Schmidt, Performerin, Theoretikern


Ihre ungewöhnliche Räumlichkeit als Aufführungsort fordert Künstlern einerseits neue räumliche Entwicklungsideen ab, andererseits bietet sie experimentelle Nutzungsweisen an. Intime Atmosphäre ermöglicht Künstlern, direkt Publikum kennen zu lernen und seine Meinungen zu hören, die für nächste künstlerische Arbeit sehr wichtig (u. a. nicht deutsche Künstler wie ich) sein können. Außerdem verhilft diese Atmosphäre zu interdiziplinärem Austausch mit Experten, die nach ihren Diskursen gut ausgewählt werden können.            

Ren Saibara, Künstlerin, Performerin


kultur-pflanze in der wildnis, licht am ende des übergangs, counterpart zur mars-expedition - alles in allem: down to earth und hoffnungsschimmer. auch und gerade weil man manchmal um die ecke schauen muss, sollte der raum erhalten bleiben.     

Dr. Christel Weiler, Program Director International Research Center „Interweaving Cultures in Performance"


Für mich ist die Vierte Welt zuallererst ein Ort der Möglichkeiten, auch der überraschenden Möglichkeiten im Hinblick auf Performancekunst und theoretisch/gesellschaftspolitische Themen, die gemeinsam mit dem Publikum erörtert werden.

Es ist ein Ort, wie ich sonst keinen in Berlin kenne: Er ist architektonisch eingebunden in eine stadtgeschichtlich wichtige Zeit Kreuzbergs (eine Zeit, in der Kreuzberg 36 fast zur reinen Umgehungsstraße geworden wäre und gleichzeitig auch in die Zeit des Häuserkampfes, der besetzten Häuser und heute des alternativtouristischen Mittelpunkts Berlins). Diese städtebauliche Geschichte reflektiert die Vierte Welt auch in einigen ihrer Produktionen.

Es ist ein Ort der Diskussion, der Zusammenarbeit, der Reflexion- und Umsetzung anderer und neuer performativer Umsetzungen im theatralen Bereich, gleichzeitig Ort des fließenden Übergangs von Publikum und Kulturschaffenden und Ort der politischen Auseinandersetzung (z.B. in Bezug auf die Veränderungen im sozialen Wohnungsbau am Kottbusser Tor).

Der Ort ist wichtiger Teil der sich am Kottbusser Tor etablierten kulturellen Landschaft: zwischen Party- und Konzertorten, Clubs und Kneipen, Bars und politischen Bürgerinitiativen sowie Museen (das Museum der Dinge befindet sich in der Oranienstraße, das Kreuzberg Museum quasi gegenüber)  ist die Vierte Welt eine Art Ruhe- und Reflexionspol.

Dr. Christel Weiler, Program Director International Research Center „Interweaving Cultures in Performance"


zur vierten welt – die vierte welt ist ein ort der kommunikation: hier sind in den vergangengen drei jahren gesprächen zwischen akteur_innen aus theater, kunst, philosophie, politik (in überschneidungen auch mehreres gemeinsam) mit ihrem publikum möglich geworden, wie sie zurzeit in berlin nirgendwo anders stattfinden.

die kleinen formate der vierten welt bewegen sich auf einem gebiet, das eingreifen/diskutieren und vor allem das gespräch auf augenhöhe zulässt, ohne expertentum auf eine bühne zu stellen.

diese formate sind nur möglich in einer vielfalt von kooperationen unterschiedlicher, teilweise langfristig engagierter menschen, die ihren anspruch an die eigene kunst verbinden mit dem ausprobieren neuer formen der präsentation, der zusammenarbeit und der kommunikation.  

Konstanze Schmitt, Künstlerin


Die Vierte Welt ist für mich ein Ort, an dem sich Worte im Mund herumdrehen und ihren Geschmack verändern.Die Vierte Welt ist ein Krisenherd.Die Vierte Welt hat keine Handbremse. Die Vierte Welt ist ein Ort, an dem das Gemeinsame verhandelt werden kann

Inga Schaub, Dramaturgin, Theaterpädagogin


Es ist nicht klar, wie dieser Raum zu nutzen ist. Darüber kann verhandelt werden. Darüber muss verhandelt werden. Darüber kann entschieden werden. Und in diesem Sinne bietet dieser Raum die Möglichkeit zur Demokratie.  

Elisa Müller: Politisches Solo


Für mich ist die Vierte Welt ein einzigartiger und förderungswürdiger Ort, weil sie - wörtlich und im Übertragenen - einen Arbeitsraum an wichtigen Schnittstellen bietet: zwischen Theorie (Diskursformate, Vorträge) und Praxis (Probemöglichkeiten, Showings, Aufführungen) ebenso wie zwischen "Hochkultur" und der sozialschwachen Berliner Umgebung am Kottbusser Tor. Diese Übergänge sind so produktiv fließend, dass "Schnittstelle" eigentlich nicht das richtige Wort ist.

Matthias Meppelink, Sounddesigner, Performer


Die Vierte Welt ist für mich ein theatraler Raum, in dem ich meine intellektuellen Fähigkeiten ausleben und erweitern - dies in Zusammenarbeit mit Menschen die Lust haben zu denken - und meine Spiellust in ungewohnten Erzählästhetiken ausprobieren kann. Darüberhinaus ist es für mich ein Ort in dem ich mich aufklären kann darüber, in was für einer Welt wir eigentlich leben und in dem ich in Folge dieser Aufklärung eine Position einnehmen muss. In einer Welt in der niemand sich mehr traut eine Wahrheit auszusprechen, empfinde ich das Positionbeziehen als Erleichterung und Freude.       

Judith van der Werff, Schauspielerin


Die Vierte Welt ist für mich ein Ort des kontinuierlichen Interesses. Hier wird in und über verschiedene Inszenierungen, Diskursformate, Experimente hinaus, ein Raum des Politischen aufgemacht. Hier werden interessierende Fragen über die normalen Planungzeiträume hinweg wieder aufgegriffen, variiert, erweitert und für nicht erledigt gehalten. Hier wird permanent nach flüchtigen Formen gesucht Streitwürdiges öffentlich neu zu verhandeln. Hier geht es immer auch um politische Praxis. Nicht zuletzt ist die Vierte Welt ein einladender Ort, ein Ort der Gastfreundschaft.       

Heike Pelchen, Künstlerische Leitung Theaterdiscounter


Der Veranstaltungsort Vierte Welt bietet eine internationale Plattform für soziale, politische und philosophische Themen, die in der allgemeinen Wahrnehmung eher wenig Beachtung finden. Umso wichtiger ist es, diesen Raum zu erhalten.  

Miriam Akkermann, Musikern (Musikwissenschaftlerin), Technische Leiterin


Vierte Welt ist eine Entscheidung. Ein Wille der Bewegung. Eine Gemeinsamkeit. Ein besonderer Ort, an dem sich etwas befinden bzw. etwas passiert ist. Es sind Komplizen die diesen Ort ausmachen, die in ihren Übungen, was zu sagen ist sprechen. Es sind Menschen die diesen Raum aufsuchen, die in ihren Fragen Tatsachen reflektieren. Es sind Künstler die dieses Theater betreiben, die in ihrer Präsenz Zukunft fordern. Ein bestimmter Zeitpunkt, an dem sich etwas verändert bzw. etwas anfängt.         

Eugen Ivan Bergmann, Literaturwissenschaftler, Kurator


»Vierte Welt« – Welt zwischen Dritter und Fünfter Welt – soziologisch: was bedeutet das? – gelegen: in Kreuzberg? - organisatorisch: Kollaboration statt Kuratorium? – theatralisch: »No Mans Land« - ein leerer Raum? – Und was geschieht? Es geschieht ein anregendes Nach-Denken, ein Er-Gründen, ein Er-Kennen von Zusammenhängen - im Erarbeiten und Darstellen beim Produzieren - im Hören und  Sehen  beim Zuschauen - im Sprechen und Nachvollziehen danach zusammen. Es ist eine  gute Welt dort – eine Welt, die unsere Welt verändert!     

Christoph Gosepath, künstlerische Leitung »Club Tipping Point e.V.«, Regisseur & Psychiater


»Vierte Welt« – Welt zwischen Dritter und Fünfter Welt – soziologisch: was bedeutet das? – gelegen: in Kreuzberg? - organisatorisch: Kollaboration statt Kuratorium? – theatralisch: »No Mans Land« - ein leerer Raum? – Und was geschieht? Es geschieht ein anregendes Nach-Denken, ein Er-Gründen, ein Er-Kennen von Zusammenhängen - im Erarbeiten und Darstellen beim Produzieren - im Hören und  Sehen  beim Zuschauen - im Sprechen und Nachvollziehen danach zusammen. Es ist eine  gute Welt dort – eine Welt, die unsere Welt verändert!     

Christoph Gosepath, künstlerische Leitung »Club Tipping Point e.V.«, Regisseur & Psychiater


Mit der Vierten Welt ist für mich, die ich auf unterschiedlichen Ebenen innerhalb der Wirkungs-felder und -möglichkeiten des Performativen aktiv bin, ein Raum entstanden, der verschiedene Aspekte einlöst, die ich in meiner langjährigen Arbeit in der freien Theaterszene und seit kürzerem auch innerhalb einer akademischen Auseinandersetzung, zunehmend vermisse. Allem voran habe ich hier einen Ort gefunden, wo ich nicht primär dazu gebeten bin, zur Umsetzung einzelner, in sich abgeschlossener Projekte beizutragen, sondern eine Kontinuität innerhalb eines gemeinsamen Arbeitens zu entwickeln. Kontinuität unterscheidet sich von der bloßen, unver-bundenen Aufeinanderfolge von einzelnen Projekten: Sie verwirklicht sich, durch den Versuch mit verschiedenen Arbeiten und den darin verhandelten Themen, ein gemeinsames längerfristiges, sich in beständiger Formulierung befindendes Anliegen in den Vordergrund zu rücken, um sich so zu dem zunehmend marktorientierten und neoliberalen Zeitgeist zu verhalten, sich zu positionieren. Die Idee des Kontinuums verwirklicht sich für mich nicht nur in der gemeinsamen Arbeit, sondern auch in der Präsentation der einzelnen Formate. Die Form der Reihe, die sich durch die unterschiedlichen Ebenen und Herangehensweisen der einzelnen Programmpunkte zieht, ist dabei von zentraler Bedeutung. Sie spinnt die Fäden, die die einzelnen Veranstaltungen und unterschiedlichen Perspektiven miteinander verbindet, und schafft so eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten, welche die Vielschichtigkeit der eigenen Lebensrealitäten außerhalb der vierten Welt reflektieren. Die sich innerhalb dieser Produktionszusammenhänge entfaltende diskursive Praxis, trägt in erheblichem Maße dazu bei, dass mein ausdrückliches Bedürfnis, das Miteinander-Leben neu zu formulieren und zu gestalten, eine reale Perspektive bekommt.

Mariel Jana Supka, Performerin, Musikerin und Wissenschaftlerin


In der Vierten Welt werden die bestehenden Verhältnisse verhandelt. Das geschieht in einem Spannungsverhältnis zwischen Diskurs und Performance, in dem das öffentliche Reden und Denken Platz hat und sich erneuern kann. Die Vierte Welt als Ort ist mit ihren tragenden Säulen eine Zumutung und passt damit exakt zu den Zumutungen der Welt die sie spiegelt mit ihren "unverrückbaren" Elementen.  

Jonas Möhring, 123Comics